Doch was sind die Attribute, die mit dem Satz „der Kunde ist König“ vermutlich einmal zum Ausdruck gebracht werden sollten. Und was machen andererseits viele Kunden daraus, um sich dadurch in eine bestimmende und machtvolle Position zu setzen, der sie oftmals nicht gerecht werden, oder in der sie sich verführt fühlen, sie sogar zum eigenen Zweck auszunutzen?
Spätestens wenn wir den Eindruck bekommen, dass der Bestands- oder Neukundenbetreuer uns mit vorformulierten Textphrasen versucht in die von ihm angestrebte Richtung zu manipulieren, ist meist gleich Schluss mit lustig und die weitere Konversation wandelt in Richtung Scheiterhaufen. Dabei sind es die „normalen“ zwischenmenschlichen und in der Gesellschaft etikettierten Werte, die ein Gespräch in eine würdige und kundenfreundliche Richtung führen. Natürlichkeit, Freundlichkeit, Wertschätzung, aufrichtiges Interesse und Authentizität sind die magischen Worte, die dem Kunden ein königliches und würdiges Gefühl vermitteln, was vermutlich durch den oben erwähnten Satz zum Ausdruck gebracht werden sollte.
Was jedoch viele Kunden in der immer weiter mutierenden Servicewüste Deutschlands erfahren, motiviert sie oftmals eher dazu, möglichst eine machtvolle Position einzunehmen, um nicht gänzlich im system- bzw. abwicklungsbedingten Nirwana zu enden. Jedes Jahr werden Milliarden Euro ausgegeben, um Neukunden durch aufwendige Werbung und Akquise-Aktionen zu gewinnen, doch ist dieser Gewinn erst einmal eingefahren und der erste Umsatz abgeschöpft, so wandert der Kunde nicht selten im Labyrinth von Verwaltungsdschungels oder wird solange auf Folgeumsatz penetriert, dass ihm nur
noch die Flucht aus der Firmenkartei als Ausweg bleibt.
Und eines ist sicher – effizient, unternehmerisch geschickt und professionell ist das nicht. Doch wenn man Unternehmen einmal auf diesen Aspekt anspricht, erlebt man nicht selten, dass sie sich bewusst sind, dass Kundenzufriedenheit das Lebenselixier eines gesunden Unternehmens ist, doch geeignete Maßnahmen, die wahrhaft der Pflege des Kundenkontakts dienen, werden selten bis nie reflektiert oder umgesetzt. Um professionell und menschenwürdig mit Kunden in Kontakt zu treten und zu bleiben, sollte man Menschen nicht als Ware oder Potential sehen (im Direktvertrieb weit verbreitet), sondern als das, was sie letztendlich sind: Menschen, die würde- und respektvoll behandelt werden, Menschen, die gleich spüren, dass man es ehrlich mit ihnen meint, Menschen, an deren Wohlergehen man wirklich interessiert ist.
Diese Haltung ist eine Profession, die auch aus unternehmerischer Sicht am Ende mehr als Sinn macht und die entsprechend gelebt werden möchte. Doch woher die Zeit nehmen, woher das Wissen um die Nuancen des richtigen Verhaltens? Und lässt der berufliche Alltag mit all seinen Stressfaktoren am Ende überhaupt genügend Aufmerksamkeit übrig, um sich der Kundenbetreuung mit Passion und Professionalität zu widmen? Professionelle Kundenbetreuung zeichnet sich durch gute Erreichbarkeit, eine freundlich konkrete Konversation und Wertschätzung für den Menschen aus, der das Unternehmen mit seinem Umsatz am Leben erhält oder sogar wachsen und gedeihen lässt. Wenn diese Merkmale sowohl im direkten Kundenkontakt als auch in der Firmenphilosophie mehr Einzug halten, so wird dem König Kunde der Thron zugesprochen, der ihn ein guter und wohlwollender König sein lässt, der viel Gutes bewirken kann und mit dem jeder gerne Kontakt hat – der König im Schachspiel des Lebens.